Kommunikation Null-Punkt-Irgendwas

Diese Woche war ich mal wieder zu einem Lernstandsgespräch in der Grundschule. Dabei ging es unter anderem auch um anstehende Termine, für die man noch auf unsere Rückmeldung warte. Vor einiger Zeit hätte man den Kindern einen Zettel mitgegeben, hieß es. Ob der denn nicht in der Elternmappe gewesen sei? Nein, war er nicht. Auf die Nachfrage der Lehrkraft an das Kind, ob es denn den Zettel nicht in die Mappe gelegt hätte, fühlte sich dieses natürlich sofort angegriffen und protestierte vehement, dass es immer alle Zettel gewissenhaft ablege, sofern es denn welche erhielte. Wie dem auch sei, über den Verbleib des Zettels kann man nur spekulieren.

Auf meine Frage, warum man denn überhaupt heutzutage noch Informationen per Zettel und Elternmappe verteile, erntete ich einen Blick voller Unverständnis mit der Antwort, dass das doch bisher all die Jahre gut geklappt hätte. Außerdem könne man nicht davon ausgehen, dass alle Eltern ihre E-Mails regelmäßig lesen und unter Umständen vielleicht gar keine hätten.

Da haben wir sie wieder, die Netzverweigerer, die vom Technologiezug Abgehängten und von ihren Arbeitgebern Alleingelassenen: Lehrer, die ernsthaft glauben, dass es noch Eltern gibt, die keinen Zugang zu E-Mail und zum Internet haben. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass es sich um eine Grundschule in einer der besseren Lagen Hamburgs handelt, und das gefühlt 80% der Eltern in Führungspositionen arbeiten oder als Selbstständige erfolgreich ihren Unterhalt verdienen. Darüber hinaus findet die gesamte Kommunikation der Elternvertreter mit der Elternschaft seit Anfang an hervorragend via E-Mail statt. Bilder von Schulveranstaltungen werden per Dropbox freigegeben und man ist auf Facebook miteinander vernetzt.

Nichts desto trotz drucken die Lehrer weiter fleißig Elternbriefe aus, kopieren sie und verteilen sie an ihre Schüler. Damit diese sie dann in ihre Elternmappe stecken (oder auch nicht) und zu Hause abgeben (oder auch nicht). Von Fortschritt überhaupt keine Spur. Konsequenterweise sollten dann die Elternbriefe auch per Schreibmaschine oder noch besser handschriftlich geschrieben werden. Das ließe sich im Zuge der aktuellen Retro- und Entschleunigungs-Bewegung sicher auch noch irgendwie verkaufen. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Schulen im Allgemeinen (klar sind ja Behörden!) und Lehrer im Speziellen, scheinen wirklich noch ein massives Nachholpotential zu haben, um den Anschluss an eine zeitgemäße Kommunikation nicht zu verlieren. Man stelle sich nur mal vor welches Potential es hätte, würden Lehrer nicht nur routiniert per E-Mail kommunizieren, sondern obendrein sogar noch Social Media Plattformen benutzen, um mit den Eltern in einen aktiven Dialog zu treten. Doch bis dem so ist, schauen wir weiterhin jeden Tag in die Elternmappe, fragen die Kinder ob es ggf. einen Zettel gab, sollte diese leer sein und rufen abends bei den Lehrern an, wenn es etwas (natürlich nur sehr Wichtiges) zu besprechen gibt. So wie es früher eben auch schon unsere Eltern getan haben.

Ich möchte betonen, dass ich mich hier wahrscheinlich eher auf einen bedauerlichen Einzelfall beziehe, und dass es an anderen Schulen und bei anderen Lehrern viel besser läuft – hoffentlich. Wer ähnliche oder ganz andere Erfahrungen macht oder gemacht hat, der kann das gerne in einem Kommentar zum Ausdruck bringen.

Sollte diesen Post ein Lehrer lesen und sich ggf. darin wiedererkennen, dann kann er sich gerne vertrauensvoll an mich wenden, um Anregungen für eine zeitgemäße Kommunikation von mir zu erhalten. Im Gegenzug freue ich mich über Tipps, welche weiterführende Schule in Hamburg den Einsatz von Elternmappen und Rauchzeichen hinter sich gelassen und den Schritt ins digitale Informationszeitalter schon vollzogen hat.

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