Google+

Google hat im Netz einen neuen Ort geschaffen und dieser wird jetzt von den Early Adoptern besiedelt. Wir kommen an, versuchen uns zu orientieren, suchen Neues und tasten uns so langsam vorwärts. Ob in der Realität oder beim Surfen im Web, unser Unterbewußtsein reagiert auf Orte (reale wie virtuelle) und vermittelt uns ein Gefühl der Zuneigung oder der Ablehnung. Google ist es gelungen mit Google+ eine Plattform zu schaffen, die sich gut anfühlt, die einfach zu bedienen und übersichtlich strukturiert ist, und die ein grundsätzlich anderes Konzept verfolgt, als Facebook.  Mario Sixtus hat das in einem Blog Post sehr treffend auf den Punkt gebracht.

Momentan ist es das Who-is-Who der Netzgemeinde, Personen mit entsprechender Reputation und einem hohen Erfahrungsgrad im Bereich sozialer Netzwerke , die sich auf Google+ tummeln und über ihre Erfahrungen berichten. Noch sind die Zugänge stark reglementiert, und auch die Einladungsfunktion wurde nach wenigen Stunden wieder deaktiviert nachdem der Run zu groß wurde. Die Vermutung liegt nahe, dass es Google vor allem darum geht, in der ersten Phase die User-Experience zu optimieren, bevor es dann für die Massen geöffnet wird. Das User-Feedback der erfahrenen Nutzer und die damit verbundene Chance zur Systemoptimierung  ist Google offensichtlich wichtiger, als das schnelle Erreichen einer kritischen Masse.

Ob Google+ dann über Kurz oder Lang auch die Massen begeistern wird bleibt abzuwarten. Sicherlich werden einige Personenkreise Facebook den Rücken kehren, wenn sie es nicht schon längst getan haben. Aber auch Facebook wird nachlegen und mit neuen Funktionen aufwarten, so dass sich der Mainstream-Anwender zweimal überlegt, ob ein Wechsel überhaupt notwendig ist.

Der große Vorteil, den Facebook momentan noch gegenüber Google+ besitzt, ist eine gut funktionierende API. Solange es diese nicht gibt, wird es Google+ schwerfallen gegenüber anderen Plattformen dauerhaft zu punkten. Aber solange wird es eben auch kein FarmVille und andere Anwendungen auf Google+ geben, die vielen von uns so auf die Nerven gehen. Ich hätte nichts dagegen, wenn Facebook der Ort der FarmVille-Spieler und Glücksnuss-Ritter bleibt und sich Google+ zu einem Ort für informationsinteressierte Netzbewohner entwickelt ohne zu viele lästige Störgeräusche.

Alles dreht sich im Kreis oder eben um Kreise. Die Idee, dass man seine Kontakte in sogenannten Circles organisieren kann ist sehr durchdacht. Dadurch erhält man die Möglichkeit, Inhalte einfach und zielgruppengerecht zu veröffentlichen. Es geht weniger darum Personenkreisen Informationen vorzuenthalten, sondern vielmehr darum sie mit relevanten Informationen zu versorgen. Ob sich dieser Ansatz in der Praxis bewährt wird sich zeigen. Auf jeden Fall wird es dazu führen, dass Personen dazu verleitet, werden noch mehr Informationen über sich preiszugeben, da sie diese mit einer vermeintlich eingeschränkten Gruppe an Personen tun. Wer am Ende von diesen personenbezogenen Informationen profitiert liegt auf der Hand.

Google+ verwendet denselben Ansatz wie Twitter wobei man jeder beliebigen Person folgen kann, ohne vorher eine Freundschaftsanfrage an diese zu stellen. Das macht es besonders leicht, sein persönliches Netzwerk auszubauen und liefert zudem weitere relevante Informationen über uns und unsere Position und Beziehung zu den Personen, denen wir folgen.

Mit dem Thema Sicherheit und Hoheit über die eigenen Daten geht Google transparent um und grenzt sich damit deutlich gegenüber Facebook ab. Doch man darf sich nichts vormachen, denn am Ende wird auch Google einen wirtschaftlichen Nutzen aus dem Mitteilungsbedürfnis seiner Mitglieder ziehen müssen. Zudem gilt: Wer im Netz etwas veröffentlicht, der muss sich immer darüber im Klaren sein, dass das Netz nichts vergisst, egal ob die Informationen einer eingeschränkten Gruppe oder der Allgemeinheit zugänglich gemacht wurde.

Mit Google+ ist ein neues soziales Netzwerk entstanden, das der Netzgemeinde in der kommenden Zeit noch viel Diskussions- und Gesprächsstoff geben wird und auch im Hause Facebook für Bewegung sorgen wird. Es bleibt spannend.

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